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Stundenverrechnungssatz: Bestandteile, Kalkulation und Beispiele

Der Stundenverrechnungssatz ist der Betrag, den du deinen Kunden pro Arbeitsstunde netto berechnen musst, damit alle Kosten gedeckt sind und am Ende ein angemessener Lohn für dich übrig bleibt. Viele Selbstständige setzen ihn zu niedrig an, weil sie nur auf die Konkurrenz schauen oder ihr früheres Gehalt durch 160 Stunden teilen. Dieser Ratgeber zeigt Schritt für Schritt, wie du deinen Stundensatz berechnest, mit vollständigem Beispiel für einen Solo-Handwerker und einen IT-Freelancer.

10 Minuten LesezeitAktualisiert am 1. November 2026Bürofy Redaktion

Das Wichtigste in Kürze

  • Formel: (Betriebskosten + Unternehmerlohn + Wagnis und Gewinn) ÷ produktive Stunden = Stundenverrechnungssatz (netto).
  • Von rechnerisch 2.080 Jahresstunden bleiben nach Urlaub, Feiertagen, Krankheit und Büroarbeit meist nur etwa 1.100 bis 1.400 verrechenbare Stunden.
  • Der Unternehmerlohn muss Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorge und Einkommensteuer abdecken. Er liegt deshalb deutlich über einem vergleichbaren Nettogehalt.
  • Im Beispiel kommt ein Solo-Malerbetrieb auf rund 67 € netto, ein IT-Freelancer auf rund 82 € netto pro Stunde.
  • Prüf deinen Satz mindestens einmal im Jahr mit den echten Zahlen aus deiner Buchhaltung.

Was ist der Stundenverrechnungssatz?

Der Stundenverrechnungssatz ist der Nettopreis, den du für eine Stunde Arbeit in Rechnung stellst. Er ist nicht dasselbe wie dein Stundenlohn. In ihm stecken neben deinem eigenen Einkommen alle Kosten deines Betriebs: Fahrzeug, Werkzeug, Versicherungen, Büro, Steuerberatung und die vielen Stunden, die du arbeitest, ohne sie einem Kunden berechnen zu können.

Im Handwerk wird der Begriff meist für die Stunde eines Gesellen oder Meisters verwendet. Bei Freelancern und Dienstleistern spricht man eher vom Stundensatz. Gemeint ist dasselbe. Material und Fremdleistungen kommen in beiden Fällen getrennt hinzu, im Handwerk meist mit einem Materialaufschlag.

Den Stundenverrechnungssatz brauchst du überall: für Stundenlohnarbeiten, für die Kalkulation von Einheitspreisen im Angebot, für Nachtragsangebote und für die Frage, ob sich ein Auftrag überhaupt lohnt.

Schritt 1: Produktive Stunden ermitteln

Der häufigste Fehler steckt im Nenner. Ein Jahr hat bei einer 40-Stunden-Woche rechnerisch 52 × 40 = 2.080 Stunden. Davon kannst du aber nur einen Teil einem Kunden berechnen. Zieh zuerst die Tage ab, an denen du gar nicht arbeitest, und dann die Zeit, die zwar Arbeit ist, aber nicht bezahlt wird.

Produktive Stunden pro Jahr im Beispiel
PositionSolo-HandwerkerIT-Freelancer
Jahresstunden (52 × 40)2.0802.080
− Urlaub− 200 (25 Tage)− 240 (30 Tage)
− Feiertage− 80 (10 Tage)− 80 (10 Tage)
− Krankheit− 80 (10 Tage)− 80 (10 Tage)
= Anwesenheitsstunden1.7201.680
− nicht verrechenbare Zeit− 430 (25 %)− 504 (30 %)
= produktive Stunden1.2901.176

Zur nicht verrechenbaren Zeit gehören Angebote schreiben, Rechnungen und Buchhaltung, Materialeinkauf, Fahrzeiten ohne Anfahrtspauschale, Werkstatt aufräumen, Fortbildung und Akquise. Bei Freelancern ist dieser Anteil oft noch höher, weil Kundengewinnung und Pausen zwischen Projekten dazukommen.

Schritt 2: Betriebskosten und Unternehmerlohn festlegen

Im Zähler stehen alle Kosten, die im Jahr anfallen, ohne Material und Fremdleistungen, die du gesondert berechnest. Nimm deine letzte Einnahmen-Überschuss-Rechnung als Grundlage. Als Gründer schätzt du die Werte und prüfst sie nach dem ersten Jahr.

Betriebskosten

  • Fahrzeug: Leasing oder Abschreibung, Kraftstoff, Versicherung, Steuer, Wartung.
  • Räume: Miete für Werkstatt, Lager, Büro oder Coworking-Platz.
  • Werkzeug, Maschinen und Hardware, inklusive Abschreibung und Ersatz.
  • Betriebliche Versicherungen wie Betriebs- oder Berufshaftpflicht.
  • Telefon, Internet, Software, Website, Werbung.
  • Steuerberatung, Kammer- und Verbandsbeiträge, Bankgebühren.

Kalkulatorischer Unternehmerlohn

Als Einzelunternehmer bekommst du kein Gehalt. Dein Lohn ist der Gewinn. Damit er reicht, setzt du einen kalkulatorischen Unternehmerlohn an. Orientier dich an dem, was eine vergleichbare angestellte Fachkraft kostet, nicht an ihrem Netto. Denn aus dem Unternehmerlohn musst du selbst bezahlen, was beim Angestellten der Arbeitgeber übernimmt oder vom Brutto abgezogen wird: Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorge, Einkommensteuer und Rücklagen.

Zum Schluss kommt ein Zuschlag für Wagnis und Gewinn. Er deckt Zahlungsausfälle, Gewährleistungsfälle und auftragsarme Monate ab und ermöglicht Investitionen. Üblich sind 5 bis 15 Prozent.

Schritt 3: Stundenverrechnungssatz berechnen mit Beispiel

Die Formel lautet: (Betriebskosten + Unternehmerlohn) × (1 + Zuschlag Wagnis und Gewinn) ÷ produktive Stunden. Zwei Beispiele zeigen, wie das in der Praxis aussieht.

Beispiel 1: Stundensatz für einen Solo-Handwerker

Ein Malermeister arbeitet allein mit eigenem Transporter und einer kleinen Werkstatt. Er möchte einen Unternehmerlohn von 54.000 € im Jahr erzielen, also 4.500 € im Monat vor Steuern und Versicherungen.

Stundenverrechnungssatz eines Solo-Malerbetriebs
PositionBetrag pro Jahr
Fahrzeug (Leasing, Kraftstoff, Versicherung, Steuer)8.400 €
Werkstatt und Lager4.800 €
Betriebliche Versicherungen1.800 €
Werkzeug und Maschinen inkl. Abschreibung2.400 €
Telefon, Internet, Software1.200 €
Steuerberatung, Kammerbeitrag2.700 €
Werbung und Website1.200 €
Sonstiges (Arbeitskleidung, Büro, Fortbildung)1.500 €
Summe Betriebskosten24.000 €
+ Kalkulatorischer Unternehmerlohn54.000 €
= Selbstkosten78.000 €
+ 10 % Wagnis und Gewinn7.800 €
= Zielumsatz aus Arbeitsstunden85.800 €
÷ produktive Stunden1.290
= Stundenverrechnungssatz netto66,51 €

Der Maler sollte also mindestens rund 67 € netto pro Stunde berechnen. Gegenüber Privatkunden kommen 19 Prozent Umsatzsteuer hinzu, bei 67 € netto sind das 79,73 € brutto. Nutzt er die Kleinunternehmerregelung, entfällt die Umsatzsteuer, an seiner Kalkulation ändert das aber nichts.

Beispiel 2: Stundensatz für einen IT-Freelancer

Ein IT-Freelancer arbeitet von einem Coworking-Space aus. Seine Betriebskosten sind mit 13.000 € deutlich niedriger: Hardware und Software 3.000 €, Coworking 3.600 €, Berufshaftpflicht 900 €, Steuerberatung 1.800 €, Weiterbildung 1.500 €, Marketing und Plattformgebühren 1.200 €, Sonstiges 1.000 €. Er setzt einen Unternehmerlohn von 75.000 € an.

  1. Selbstkosten: 13.000 € + 75.000 € = 88.000 €
  2. Plus 10 % Wagnis und Gewinn: 88.000 € × 1,10 = 96.800 €
  3. Geteilt durch 1.176 produktive Stunden: 96.800 € ÷ 1.176 = 82,31 €

Sein Stundensatz liegt bei rund 82 € netto. Wer als Freelancer häufig Tagessätze anbietet, multipliziert mit 8 und landet bei etwa 660 € pro Tag. Für eine Grafikdesignerin mit ähnlicher Kostenstruktur, aber niedrigerem Zieleinkommen, funktioniert die Rechnung genauso.

Übliche Stundensätze 2026: eine grobe Orientierung

Viele fragen zuerst: Was nehmen die anderen? Ein Marktvergleich ist sinnvoll, ersetzt aber nie die eigene Rechnung. Die folgenden Spannen sind grobe Orientierungswerte aus Marktbeobachtungen und Umfragen. Sie schwanken stark nach Region, Gewerk, Spezialisierung und Kundengruppe.

Unverbindliche Orientierungswerte, Stand 2026. Keine amtlichen oder empfohlenen Preise.
BereichGrobe Spanne netto pro Stunde
Handwerk, Gesellenstunde (z. B. Maler, Fliesenleger)etwa 55 bis 80 €
Handwerk, technische Gewerke (z. B. Elektro, Sanitär, Heizung)etwa 65 bis 95 €
Hausmeister- und Gartendiensteetwa 30 bis 50 €
Grafikdesign, Text, Webdesignetwa 50 bis 95 €
IT-Freelancer, Entwicklung und Beratungetwa 80 bis 120 €

Typische Fehler beim Stundensatz berechnen

  • Altes Gehalt durch 160 teilen: Wer als Angestellter 3.500 € brutto verdient hat und 22 € pro Stunde ansetzt, vergisst Kosten, Versicherungen und unproduktive Zeit.
  • Mit 2.080 Stunden rechnen: Ohne Urlaub, Krankheit und Büroarbeit wird der Stundensatz viel zu niedrig.
  • Kranken- und Altersvorsorge vergessen: Diese Beiträge zahlen Selbstständige allein. Sie gehören in den Unternehmerlohn.
  • Kein Gewinnzuschlag: Ohne Reserve bringt schon ein Zahlungsausfall die Kalkulation ins Wanken. Eine Mahnung bringt das Geld nicht immer zurück.
  • Mitarbeiter falsch kalkulieren: Ein Geselle kostet deutlich mehr als sein Bruttolohn. Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, Urlaub, Feiertage und Krankheit müssen auf seine produktiven Stunden umgelegt werden.
  • Nie überprüfen: Kosten steigen jedes Jahr. Prüf den Satz mindestens jährlich mit den echten Zahlen.

In Bürofy hinterlegst du für jeden Mitarbeiter einen Stundensatz. Erfasste Zeiten eines Projekts übernimmst du unter „Stunden abrechnen“ direkt in eine Rechnung, der hinterlegte Satz wird dabei vorgeschlagen. Ohne Konto hilft der kostenlose Stundenzettel.

Stundensatz-Rechner

Kosten, Wunschlohn und Arbeitszeit eintragen und Stunden- und Tagessatz ablesen – mit Beispielen.

Stundensatz berechnen

Dieser Ratgeber gibt einen allgemeinen Überblick (Stand: Oktober 2026). Die Zahlen sind Beispiele. Er ersetzt keine individuelle betriebswirtschaftliche oder steuerliche Beratung, etwa durch deine Steuerberatung oder die Betriebsberatung deiner Handwerkskammer.

Häufige Fragen

Wie berechne ich meinen Stundenverrechnungssatz?
Addiere deine jährlichen Betriebskosten und deinen gewünschten Unternehmerlohn, schlag 5 bis 15 Prozent für Wagnis und Gewinn auf und teil das Ergebnis durch deine produktiven Stunden. Das ergibt den Nettobetrag, den du pro Stunde berechnen musst.
Wie viele produktive Stunden hat ein Selbstständiger im Jahr?
Von 2.080 Jahresstunden bei einer 40-Stunden-Woche bleiben nach Urlaub, Feiertagen und Krankheit etwa 1.700. Zieht man Büroarbeit, Akquise und Fahrzeiten ab, sind meist nur 1.100 bis 1.400 Stunden tatsächlich abrechenbar.
Was ist ein normaler Stundensatz für Handwerker?
Als grobe Orientierung liegen Gesellenstunden 2026 häufig bei etwa 55 bis 80 € netto, in technischen Gewerken auch höher. Die Werte schwanken stark nach Region und Gewerk. Entscheidend ist dein eigener, berechneter Satz.
Wie hoch sollte der Stundensatz als Freelancer sein?
Das hängt von Kosten, Zieleinkommen und Auslastung ab. Ein IT-Freelancer mit 13.000 € Kosten, 75.000 € Unternehmerlohn und rund 1.180 abrechenbaren Stunden kommt auf etwa 82 € netto. Viele IT-Freelancer liegen zwischen 80 und 120 €.
Ist der Stundensatz netto oder brutto?
Der Stundenverrechnungssatz wird netto kalkuliert. Auf der Rechnung kommt die Umsatzsteuer hinzu, in der Regel 19 Prozent. Kleinunternehmer weisen keine Umsatzsteuer aus, ihr Netto ist dann zugleich der Endpreis.
Was gehört in den Unternehmerlohn?
Der kalkulatorische Unternehmerlohn deckt alles ab, was du privat brauchst: Lebenshaltung, Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorge, Einkommensteuer und Rücklagen. Als Maßstab dient das Gehalt einer vergleichbaren Fachkraft plus die Arbeitgeberanteile.

Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick (Stand: 1. November 2026) und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Für deinen Einzelfall wende dich bitte an deine Steuerberatung.